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Wärmewende, Wärmeplanung und die Lage der Branche

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Klare Ansage: „Halten Sie sich aus dem Kerngeschäft des Heizungshandwerks heraus!“ Diese Kernforderung richtete der Vorsitzende des Fachverbands, Stefan Menrath, an die kommunalen Energieversorger. Einstimmig verabschiedete der Verbandstag ein Positionspapier, das diese Haltung unterstreicht. Darin stellten die Delegierten fest: „Der Fachverband lehnt gemeinsam mit den Innungen wirtschaftliche Aktivitäten von Energieversorgungsunternehmen ab, die in die originären Aufgabenbereiche der Installateur- und Heizungsbaubetriebe eingreifen.“ Die Unternehmen, die sich ganz oder teilweise im Besitz von Kommunen befänden, seien an die Vorgaben der Gemeindeordnung gebunden. „Der Verkauf bzw. die Vermarktung von Heizungsanlagen gehört eindeutig nicht zur kommunalen Daseinsvorsorge eines Energieversorgungsunternehmens“, heißt es daher in dem Positionspapier. Da das SHK-Handwerk diese Aufgabe genauso gut erfülle, widerspreche es dem Paragrafen 102 der Gemeindeordnung, wenn kommunale Energieversorger in diesem Feld tätig werden.

In der Diskussion bestätigten zahlreiche Delegierte die Aktivitäten der Versorger, die nur in wenigen Fällen fair mit dem Handwerk kooperierten. „Ich habe den Eindruck, dass es nicht selten unter dem Vorwand des Klimaschutzes eigentlich um Marktanteile geht und darum, die eigenen wirtschaftlichen Interessen zu sichern“, sagte der Vorsitzende des FV SHK BW.

An alle Unternehmen mit einem derartigen Geschäftsmodell richtete Menrath die Botschaft: „Es ist nicht Aufgabe von kommunalen Unternehmen, Dienstleistungen anzubieten, die von privaten Unternehmen genauso gut übernommen werden können! Das ist nicht der Wille des Gesetzgebers – auch nicht unter dem Deckmantel des Klimaschutzes. Deshalb fordere ich Badenova, die MVV Energie AG und all die vielen Stadt­werke auf: Halten Sie sich aus dem Kerngeschäft des Heizungshandwerks heraus! Halten Sie sich an den Rahmen, den Ihnen das Gesetz erlaubt, die kommunale Daseinsvorsorge!“

Gleichzeitig erklärten die SHK-Innungen im Fachverband Sanitär-Heizung-Klima in dem Positionspapier ihre Bereitschaft, „auch zukünftig in geeigneter Weise partnerschaftlich mit Energieversorgungsunternehmen zusammenzuarbeiten, damit die Klimaschutzziele zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen der Bundesrepublik Deutschland sowie des Bundeslandes Baden-Württemberg erreicht werden können“.

Mit Sorge betrachtet die SHK-Branche in Baden-​Württemberg weitere Entwicklungen, die die Heizungsgesetze des Jahres 2023 verstärkt haben: Weil die Ampelregierung das neue Wärme­pla­nungsgesetz (WPG) mit dem reformierten Gebäudeenergiegesetz (GEG) verknüpfte, ist eine enorme Verunsicherung entstanden, wo welche Wärmeerzeuger noch verbaut werden dürfen.

Zudem verbreiten seitdem einige politische Entscheidungsträger in Bund, Land und Kommunen sowie die kommunalen Spitzenverbände, dass Bürger mit dem Einbau klimaneutraler Heizungen warten sollten, bis die kommunale Wärme­planung abgeschlossen sei. Wolfgang Becker, Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes, erklärte vor den Delegierten des Verbandstags, derartige Äußerungen verunsicherten Verbraucher und trügen dazu bei, dass die Wärmewende verschleppt werde. An die Mitgliedsbetriebe sandten Menrath wie Becker die klare Botschaft, dass das Zeitalter fossiler Wärmeenergie zu Ende gehe und man sich darauf einstellen müsse, wenn man das noch nicht getan habe.

Zur wirtschaftlichen Situation verwies Becker auf ein Umsatzwachstum von 5,6 %. Das letzte Jahr sei nicht schlecht gewesen. Das vierte Quartal habe sich dann deutlich schwieriger entwickelt. Aktuell gehe die Zahl der offenen Stellen zurück, ebenso die Auftragsreichweite. Er verwies dabei auf die Probleme der Hersteller, die Kurzarbeit anmelden und Stellen abbauen, und nannte die wesentlichen Gründe der wechselhaften Entwicklungen der vergangenen Jahre: ­Corona, Krieg, politische Debatte ums GEG. Becker äußerte die Hoffnung, dass die Konjunktur wieder anzieht. Inzwischen antworteten 75 % der Betriebe, dass sie Wärmepumpen einbauen. Dies sei eine wichtige Botschaft an die Politik.

Für die Verbandsarbeit stellte Menrath einen Zehn-Punkte-Plan vor. Dieser enthält die wichtigsten Aufgaben, die sich der Vorstand für seine Amtsperiode vorgenommen hat. Mit der Neugestaltung der Verbandswebsite, einem nach außen hin sichtbaren Punkt, wurde bereits begonnen. Für den geplanten Umzug der Geschäftsstelle gaben die Delegierten ihre Zustimmung.

Mit der silbernen Ehrennadel für langjährige Verdienste zeichnete Menrath aus: Andreas Heimpel, seit 2014 Obermeister der Sanitär-Heizung-Klima-Innung Ravensburg; Albrecht Lohri, seit 2014 Obermeister der Innung Sanitär Heizung Klempner Esslingen-Nürtingen, Gernot Marquart, 2014 bis 2024 Obermeister der Innung Sanitär Heizung Klima Freiburg-Müllheim-Hochschwarzwald und seit 2019 Mitglied im Vorstand des Fachverbandes, sowie Robert Schweikert von der Kachelofen- und Luftheizungsbauer-Innung Mittlerer Neckar, seit 2014 stellvertretender Obmann und Mitglied im sozial- und wirtschaftspolitischen Ausschuss im Tarifbereich OL.

Sowohl der Bilanz für 2023 als auch den geplanten Änderungen und Vereinfachungen im Beitragswesen sowie dem Haushalt für 2025 stimmte die Versammlung einmütig zu. Für die Betriebe in den SHK-Gewerken ist der Verbandstag die Gelegenheit im Jahr, sich auszutauschen. Die gastgebende Innung Lörrach hatte dazu ein Rahmenprogramm organisiert, unter anderem einen Besuch beim Designmöbel-Hersteller Vitra im benachbarten Weil am Rhein. Der nächste Verbandstag wird am 11. und 12. Juli 2025 in Heidelberg stattfinden.