Das Gute an schlechten Nachrichten: Zunehmende Hochwasser- und Starkregenereignisse rücken das Thema effektiver Gebäudeschutz vor Rückstau bei immer mehr Hauseigentümern in den Fokus. Das erhöht auch den Druck auf die Branche und das SHK-Handwerk, sich intensiver damit auseinanderzusetzen. Hierfür gibt es bereits zahlreiche Angebote. Hersteller und Entwässerungsspezialisten wie zum Beispiel das Unternehmen Kessel verfügen über entsprechende Plattformen sowie Netzwerke und bieten Aus- und Weiterbildungsseminare an. Jeder kann ein Rückstauschutzprofi werden, und der Bedarf an geschultem Fachpersonal ist laut Branchenselbstreflexion groß.
Denn der Blick in Tausende Keller und das Feedback aus jahrelangen Praxisschulungen, Seminaren und Fachgesprächen zeigen: Das Detailwissen bei technischen Regeln, Vorschriften und Normen rund um die Sicherheit in der Gebäudeentwässerung ist im Fachhandwerk nicht überall gegeben. Die fehlende Erfahrung und die vernachlässigte Sensibilisierung für den Gebäudeschutz vor Rückstau haben gravierende und am Ende kostspielige Konsequenzen: falsch gewählte Rückstauschutzlösungen, mangelhaft ausgeführte Installationen, falsche Kundenberatungen und fehlende oder mangelhafte Anlagenwartungen.
In der Praxis haben viele Handwerker zu selten mit Rückstauschutz zu tun, manche nur ein-, zweimal im Jahr. Deshalb fehlt in diesem Bereich oft die nötige Expertise. Eine Negativspirale, an deren Ende erhebliche Schäden stehen – auch für das Branchenimage. Erschwerend kommt hinzu, dass gerade in der aktuell dominierenden Sanierung die Integration von Rückstauschutzlösungen in das bestehende Gebäudesystem zu einer Herausforderung mit großem Fehlerpotenzial geraten kann.
Doch welche Praxisfehler werden beim Rückstauschutz konkret gemacht? Zu den häufigsten gehören:
Pendelklappen bei fäkalienhaltigem Abwasser
Der Klassiker unter den Fehlern schlechthin ist der Einsatz von Pendelklappen bei Schwarzwasser. Diese einfachen Rückstausicherungen sind für fäkalienhaltiges Abwasser weder geeignet noch zugelassen, da sie Verstopfungen provozieren können – ein Problem, das Kanalreiniger nur zu gut kennen und das zu einem schlechten Ruf der Pendelklappen beigetragen hat. Beim Einbau wird oft aus Kostengründen auf diese vermeintlich günstigere Lösung zurückgegriffen, ohne die Auswirkungen für das Abwassersystem und das eigene Gebäude zu bedenken. Denn Ablagerungen an den Klappen verhindern im Rückstaufall häufig den zuverlässigen Verschluss des kompletten Rohrquerschnitts.
Eine normgerechte Lösung bei Schwarzwasser kann hingegen eine Rückstausicherung mit motorischem Verschluss, Steuerung und Schaltgerät sein. Sie ist zwar etwas teurer, verhindert durch einen freien Rohrquerschnitt (Klappen werden erst im Rückstaufall motorisch verschlossen) jedoch Ablagerungen und sorgt im Rückstaufall für eine verlässliche und störungsfreie Funktionalität. Daher ist es wichtig, dass Handwerker die Bauherren umfassend beraten sowie die Notwendigkeit und Vorteile der richtigen Rückstausicherung aufzeigen (können) – denn ein Schaden ist in jedem Fall kostspieliger.
Schlecht zugänglicher Rückstauschutz
Ein ebenfalls häufiger Fehler ist die schlechte Zugänglichkeit der Rückstausicherung nach dem Einbau. Es kommt sogar vor, dass Rückstauschutzsysteme in Vorwänden verfliest oder im Erdreich installiert werden, wo sie später nicht mehr oder nur mit großem Aufwand erreichbar sind. Dies erschwert nicht nur die Wartung, sondern kann im Ernstfall die Funktionalität beeinträchtigen.
Entsprechend sollten Installateure schon in der Planungsphase darauf achten, dass alle Komponenten immer gut zugänglich sind. Das bedeutet auch, dass Schachtdeckel von erdverbauten Rückstausicherungen nicht mit Rasen oder Pflastersteinen „unsichtbar“ gemacht werden und der Zugang unnötig erschwert wird.
Dauerhaft feuchter Einbauort
Zwar sind Rückstausicherungen mit elektrischen Komponenten in der Regel nach der Schutzart IP68 zertifiziert, das bedeutet aber nur, dass sie für eine gewisse Zeit in einer bestimmten Tiefe – je nach Herstellerangaben – wasserdicht sind. Trotzdem können sie nicht dauerhaft unter Wasser betrieben werden. Deshalb müssen Rückstausicherungen immer in trockenen Bereichen installiert und die Stromzuführungen wasserdicht ausgeführt werden.
In der Praxis werden diese Anforderungen jedoch oft vernachlässigt. Dabei ist es entscheidend, dass Installateure darauf achten, alle elektrischen Komponenten ordnungsgemäß abzudichten und dauerhaft vor Feuchtigkeit zu schützen. Andernfalls kann es zu Kurzschlüssen und kostspieligen Folgeschäden durch einen Ausfall der Anlage kommen.
Der Einbau von Rückstausicherungen in Betonschächten außerhalb des Gebäudes ist hierfür ein gutes Beispiel, denn diese sind selten dauerhaft wasserdicht. Die einzelnen Betonschachtelemente werden meist von einem Bagger übereinandergestapelt, wobei die vorgesehenen Dichtungen oft nicht gerade eingesetzt werden (können). Bei starkem Regen oder ansteigendem Grundwasserstand wird dann die Rückstausicherung überflutet.
Moderne Kunststoffschachtsysteme wie das Technikschachtsystem aus Polyethylen von Kessel stellen eine Alternative dar. Sie sind monolithisch hergestellt, besitzen kompatible Anschlussdichtungen und lassen sich deshalb einfacher installieren. Der bruch- und schlagsichere sowie grundwasserbeständige Kunststoff ist nicht nur langlebig, sondern auch dauerhaft dicht und wurzelsicher.
Falsche Kabelverlängerungen
Ein weiteres Problem ist die Verlängerung von Kabeln. Standardverlängerungen sind für feuchte Bereiche nicht geeignet und können ebenfalls zu Undichtigkeiten und Kurzschlüssen führen. Um dies zu vermeiden, sollten vorkonfektionierte Kabel in der benötigten Länge bestellt werden, sodass Verlängerungen erst gar nicht notwendig sind. Gibt es keine Alternative zur Verlängerung, dann sollte diese mit sogenannten Gießharzmuffen erfolgen, die speziell für feuchte Umgebungen ausgelegt sind.
Fehlende Beruhigung im Zulauf
Die nötige Beruhigung im Zulauf zur Rückstausicherung findet bei der Installation ebenfalls oft keine Berücksichtigung. Wird zum Beispiel aus Platzgründen das Abwasser direkt vor dem Rückstauverschluss durch einen Bogen um 90° abgelenkt, kann dies zu Fehlfunktionen führen. Die Sensorik wird durch das auf die Sonde spritzende Wasser irritiert und der Motor fährt ständig auf und zu. Es ist daher wichtig, darauf zu achten, mindestens 1 m Beruhigungsstrecke vor dem Rückstauverschluss einzuplanen, um eine einwandfreie und störungsfreie Funktion zu gewährleisten.
Die „ungeliebten Kinder“: Inbetriebnahme und Wartung
Nach der Installation ist es gesetzliche Vorgabe, die Rückstausicherung ordnungsgemäß in Betrieb zu nehmen und an den Betreiber zu übergeben – was auch protokolliert und per Unterschrift bestätigt werden muss. Dies beinhaltet auch die Übergabe der Einbau- und Bedienungsanleitung sowie eine ausführliche Erklärung der Funktionsweise, der monatlichen Eigenkontrolle (Inaugenscheinnahme) und der Wartungspflichten.
Dennoch vernachlässigen viele Handwerker diesen Schritt oder lassen aus Zeitgründen nicht die nötige Sorgfalt walten. Die Konsequenz: Die Betreiber kennen ihre Pflichten nicht oder nur unzureichend und können sie demzufolge auch nicht wie erforderlich wahrnehmen.
Grundsätzlich sind die Eigentümer und Betreiber für die Inspektion und Wartung der Anlagen verantwortlich. Nach DIN EN 13564-1 „Rückstauverschlüsse für Gebäude – Teil 1: Anforderungen“ und DIN 1986-3 „Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke – Teil 3: Regeln für Betrieb und Wartung“ sollten Rückstauverschlüsse für fäkalienhaltiges Abwasser mindestens zweimal im Jahr durch einen Fachkundigen gewartet werden. Das gleiche Intervall gilt auch bei Rückstausicherungen für fäkalienfreies Abwasser. Dabei sind vier Wartungsschritte wichtig:
Eine regelmäßige, ordnungsgemäße Wartung von Rückstausicherungen ist unerlässlich, um ihre Funktionsfähigkeit sicherzustellen. Erfahrungen aus der Praxis und Branchenschätzungen gehen allerdings davon aus, dass nur 10 bis 20 % aller Rückstausicherungen in Deutschland im normgerechten Intervall gewartet werden.
Eine alarmierende Zahl, die zeigt: Die Betreiber müssen auf ihre Wartungspflichten hingewiesen und Handwerker dafür entsprechend sensibilisiert und geschult werden. Beim Einsatz von Rückstausicherungen mit motorischem Verschluss wird die Wartung durch ein Selbstdiagnosesystem (SDS) erleichtert, welches wöchentlich automatisch die Sensoren, Motoren und Verschlussklappen überprüft.
Fazit: Mach dich zum Profi!
Die Marktbedingungen für Handwerker haben sich zuletzt stark gewandelt. War in den vergangenen Jahren die Nachfrage nach Dienstleistungen rund um den Einbau von Wärmepumpen das marktbeherrschende Thema, gibt es nun wieder breiter gefächerten Bedarf an spezialisierten Fachkräften sowie mehr Platz in den Auftragsbüchern.
Zudem ist die Thematik der sicheren Gebäudeentwässerung alles andere als überbesetzt und durch die zunehmenden Starkregenereignisse nicht nur jetzt aktuell, sondern wird viele Hausbesitzer auch in Zukunft beschäftigen. Rund zwei Drittel aller Häuser in Deutschland sind nicht normgerecht abgesichert und 80 bis 90 % der Rückstauschutzlösungen werden nicht normgerecht gewartet. Die Aufträge liegen also wortwörtlich im Keller und warten nur auf geschultes Fachpersonal, das weiß, wie Rückstauschutz richtig geht.
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Bild: Marcel Schramm Haus- und Gebäudetechnik
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
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Bild: Marcel Schramm Haus- und Gebäudetechnik
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Bild: Marcel Schramm Haus- und Gebäudetechnik
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Bild: Marcel Schramm Haus- und Gebäudetechnik
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www.bit.ly/sbz_abwasser